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Ausschuss III: Neue Arbeitswelt und GesellschaftDie standardisierten Arbeitsverhältnisse lösen sich seit Beginn der 70-er Jahre immer mehr auf. In der Summe verschob sich von 1970 bis 1996 das Verhältnis von Arbeitnehmern in Normalarbeitsbeschäftigung zu Arbeitnehmern in anderen Beschäftigungsformen (Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung, geringfügige Beschäftigung, Leiharbeit, Scheinselbständigkeit) von 5:1 auf 2:1. Dabei unterliegen selbst die weiterbestehenden Normalarbeitsverhältnisse in einem inneren Gestaltwandel in Richtung Flexibilisierung. Die Hauptursache dieser Entwicklung ist der technologische Wandel, der in der öffentlichen Diskussion unter den Stichworten Digitalisierung und Informationalisierung behandelt wird. Die Umverteilung aus hochproduktiven und ertragsstarken Exportsektoren über den Sozialstaat in andere Sektoren ist durch die gesteigerte internationale Konkurrenz im Sinken begriffen: Der Beitrag von Unternehmen und insbesondere der der international tätigen - zum allgemeinen Steueraufkommen ist in den letzten beiden Jahrzehnten in Deutschland und anderen europäischen Staaten rapide geschrumpft. Gleichzeitig verschiebt sich durch die Internationalisierung der Wirtschaft die Last der Finanzierung für die Arbeitslosen, falls der Staat versucht, über Sozialleistungen die vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossenen ausreichend abzusichern. 1985 befürchteten rund 50% der Deutschen, in den nächsten zwei Jahren ihren Arbeitsplatz zu verlieren, 1995 hingegen schon rund zwei Drittel. Die Gefahren der Flexibilisierung bestehen darin, dass ein gesellschaftlicher Rhythmus verloren geht und sich die "Freizeiten" in Familien und Freundeskreisen nicht mehr decken. Chancen bestehen darin, persönliche Wünsche und Arbeitszeit in Übereinstimmung zu bringen. Die europäischen Gesellschaften sind mit ähnlichen Problemen konfrontiert: sie werden arbeitsloser, älter und pflegebedürftiger. Viele Rezepte zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Regulierung der Arbeitswelt bedenken die Wünsche der Betroffenen nicht. Es wäre angezeigt, die bisherige geschlechtliche Arbeitsteilung zu überwunden, indem auch für Männer Teilzeitarbeit möglich wird. Auch ob ältere Menschen arbeiten wollen oder nicht sollte deren Entscheidung überlassen bleiben. Der technologische Wandel löst die ehemalige Normalarbeitsbiographie auf, doch die neuen Verhältnisse sind lediglich vor dem Hintergrund der alten Absicherungsregelungen unsicher. Neue Regelungen müssen auf nationaler und auf europäischer Ebene gesucht und gefunden werden. |
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